Jugendforums-Café:
Wer entscheidet?

25.08.2026

Wer entscheidet eigentlich über das Leben von Jugendlichen?


Wer:
Koordinierungs- und Fachstelle der Partnerschaft für Demokratie Lübeck

Wo: Lübeck, t.olle Bude vom Internationaler Bund Streetworkteam


Beim Jugendforums-Café am 25.8. stand eine zentrale Frage im Mittelpunkt: Wer entscheidet eigentlich über das Leben von Jugendlichen?

Mit verschiedenen Spielen und Beispielen konnten die Jugendlichen ausprobieren, wie viel Einfluss sie selbst haben – und wie viel sie sich wünschen würden. Und auch dieses Mal war ein spannender Gast dabei, Laura Pantas, die Beteiligungsbeauftragte der Hansestadt Lübeck.

Zum Einstieg ging es um die Frage:

Was würdet ihr mit 20.000 Euro machen, wenn ihr selbst darüber entscheiden könntet?
Die Antworten waren vielfältig.
Ein scherzhafter Vorschlag war zunächst, das Geld einfach auf das eigene Konto zu überweisen. Schnell wurde die Diskussion jedoch sehr sozial. Die Jugendlichen wollten beispielsweise Geld an krebskranke Menschen oder an obdachlose Menschen spenden.

Gleichzeitig wurden viele konkrete Wünsche genannt, die das Leben von Jugendlichen direkt betreffen. Dazu gehörten bessere Orte zum Chillen, ein bezahlbarer Döner für drei Euro und ein weiteres Jugend-Café, das für alle gut erreichbar ist.

Besonders wichtig war auch die Mobilität: Die Jugendlichen wünschten sich bessere Busverbindungen in den Nachtstunden und am frühen Morgen – damit Ausbildungsplätze erreichbar sind und man auch nach dem Feiern sicher nach Hause kommt.

Ein weiterer Wunsch war, Leerstände in Lübeck für Jugendliche nutzbar zu machen.
Außerdem entstand die Idee eines öffentlichen Platzes mit vielen unterschiedlichen Möglichkeiten, den sowohl Mütter mit Kindern als auch Jugendliche nutzen können.

In den Gesprächen wurde deutlich, dass es bei der Gestaltung von Orten oft gar nicht um große und teure Veränderungen geht.
Manchmal sind es ganz konkrete Dinge, die einen Platz für Jugendliche attraktiver und nutzbarer machen – beispielsweise ein Wasserspender zum Auffüllen von Trinkflaschen oder zugängliche Toiletten.

Wie funktionieren Beteiligungsprozesse?

Die Beteiligungsbeauftragte konnte anschließend anschaulich erklären, wie Beteiligungsprozesse funktionieren und warum Wünsche nicht immer eins zu eins umgesetzt werden können.
Auch wurde deutlich, dass politische und Verwaltungsprozesse manchmal Zeit benötigen.
Gleichzeitig gibt es mit § 47 der Gemeindeordnung Schleswig-Holstein eine gesetzliche Grundlage dafür, dass Kinder und Jugendliche bei Planungen und Vorhaben, die ihre Interessen berühren, beteiligt werden sollen.

Die Jugendlichen berichteten auch von eigenen Beteiligungsprozessen, zum Beispiel aus der T.ollen Bude. Dort wird per Abstimmung an der Wand entschieden, was für die Räume angeschafft oder was gemeinsam unternommen werden soll.
So konnten die Teilnehmenden direkt miterleben, wie ein Jugendlicher eine Abstimmung zum Vorschlag Grillen eröffnete.

Gleichzeitig wurde kritisch angesprochen, dass Jugendliche zwar häufig nach ihrer Meinung gefragt werden, Entscheidungen am Ende aber trotzdem anders ausfallen – und manchmal nicht klar ist, warum.
Gerade deshalb sind Transparenz und eine verständliche Rückmeldung wichtig, damit Beteiligung ernst genommen wird.

Auch eigene politische Themen wurden von den Jugendlichen eingebracht.
So wollte ein Jugendlicher über die Aussage Ich positioniere mich als unpolitisch sprechen.
Daraus entwickelte sich ein Gespräch darüber, dass man auch politisch sein kann, ohne einer Partei vollständig zuzustimmen.
Jeder kann sich für eigene Anliegen einsetzen und versuchen, Veränderungen anzustoßen.

Fazit

Das Jugendforums-Café zeigte: Es gibt bereits positive Beispiele, bei denen Jugendbeteiligung gut funktioniert.
Gleichzeitig gibt es noch viel zu tun.
Eine wichtige Voraussetzung ist, dass Jugendliche überhaupt wissen, welche Möglichkeiten zur Beteiligung es gibt und wo sie ihre Ideen und Anliegen einbringen können.
Vor allem aber hat das Jugendforums-Café gezeigt, wie viele konkrete Ideen und Vorstellungen Jugendliche haben, wenn sie tatsächlich gefragt werden.
Die Diskussionen waren lebendig, vielfältig und manchmal überraschend – und haben deutlich gemacht, dass Jugendliche nicht nur mehr Freizeit wollen, sondern sehr konkrete Vorstellungen davon haben, wie ihre Stadt lebenswerter, gerechter und jugendfreundlicher werden kann.